Faktenprüfung: 2.8.2026. Alle Angaben wurden zu diesem Zeitpunkt anhand der unten genannten Quellen geprüft.
Videowerbung ist technisch anspruchsvoller als Display, weil zwischen Werbemittel und Player eine standardisierte Verständigung nötig ist. Diese Aufgabe übernimmt VAST – das Video Ad Serving Template des IAB Tech Lab.
Was VAST leistet
VAST ist eine XML-Antwort, die ein Videoplayer beim AdServer abruft. Sie enthält nicht das Video selbst, sondern die Informationen, die der Player braucht:
- Media Files – die Videodateien in verschiedenen Auflösungen, Bitraten und Formaten
- Duration – die Länge des Werbespots
- Impression-URL – wird beim Start der Auslieferung aufgerufen
- Tracking Events – Rückmeldungen zu Fortschritt und Interaktion
- ClickThrough und ClickTracking – Zielseite und Klickzählung
- Companion Ads – optionale Begleitbanner
- Error-URL – wird aufgerufen, wenn die Wiedergabe scheitert
Ein VAST-Wrapper verweist auf einen weiteren VAST-Endpunkt, statt selbst ein Video zu liefern. So lassen sich Ketten aus Vermarkter, Agentur und Messanbieter abbilden. Jede zusätzliche Stufe kostet allerdings Zeit und erhöht das Ausfallrisiko – drei bis fünf Weiterleitungen sind die praktische Obergrenze.
Instream und Outstream
Instream bedeutet: Der Spot läuft innerhalb eines redaktionellen Videos – als Pre-Roll vor, Mid-Roll während oder Post-Roll nach dem Inhalt. Voraussetzung ist eigener Videoinhalt. Pre-Rolls haben die höchsten Abschlussquoten, Post-Rolls die niedrigsten.
Outstream bedeutet: Der Spot läuft ohne redaktionelles Video – etwa in einem Textartikel, wo ein Videoplayer erscheint, sobald der Bereich sichtbar wird. Das erschließt Videobudgets auch für Angebote ohne eigene Videoproduktion. Regeln für vertretbares Outstream: Wiedergabe erst bei Sichtbarkeit starten, standardmäßig stummschalten, Ton nur auf Nutzerinteraktion, Player bei Verlassen des Sichtbereichs pausieren.
Die Tracking-Events und ihre Bedeutung
VAST meldet den Fortschritt in Vierteln: start, firstQuartile, midpoint, thirdQuartile, complete. Daraus ergeben sich die aussagekräftigen Kennzahlen:
- Completion Rate – Anteil vollständig abgespielter Spots. Der wichtigste Qualitätsindikator.
- Abbruchprofil – wo genau Nutzer aussteigen. Ein starker Abfall vor dem ersten Viertel deutet auf ein schwaches Intro oder erzwungene Wiedergabe hin.
- Sichtbarkeit – für Video gilt üblicherweise: mindestens 50 Prozent der Fläche über mindestens zwei Sekunden.
- Fehlerquote – über die Error-URL erfasst. Häufige Ursachen: nicht unterstützte Formate, blockierte Auslieferung, Zeitüberschreitung im Wrapper.
Kreative Anforderungen
- Erste drei Sekunden entscheiden. Marke und Kernbotschaft gehören an den Anfang, nicht ans Ende.
- Ohne Ton verständlich. Die meisten Auslieferungen starten stumm. Untertitel oder Textelemente sind daher kein Zusatz, sondern Pflicht.
- Länge an Platzierung anpassen. Sechs bis fünfzehn Sekunden für Outstream, längere Spots nur dort, wo Nutzer bewusst Video konsumieren.
- Mehrere Auflösungen liefern. Der Player wählt nach verfügbarer Bandbreite; ein einzelnes hochauflösendes File erzeugt Abbrüche.
Häufige Fehlerquellen
Gemischte Protokolle. Eine Seite über HTTPS kann keine Mediendateien über HTTP laden. Alle URLs in der VAST-Antwort müssen verschlüsselt ausgeliefert werden.
Zu tiefe Wrapper-Ketten. Jede Weiterleitung addiert Latenz. Überschreitet die Antwortzeit das Zeitlimit des Players, entsteht ein Ausfall – gezählt als Fehler, nicht als No-Fill.
Fehlende Fallbacks. Wenn kein Spot verfügbar ist, sollte der Player einen alternativen Spot oder das redaktionelle Video ohne Verzögerung starten, statt eine schwarze Fläche zu zeigen.
Autoplay mit Ton. Führt zu Blockierung durch den Browser, Abbrüchen und Beschwerden.
Umsetzung in unserer Plattform
Video wird als eigener Werbemitteltyp geführt: Sie hinterlegen entweder eine VAST-URL eines Drittanbieters oder eine eigene Videodatei mit Zieladresse und Trackingpixeln. Die Auslieferungsberichte weisen Start, Viertelwerte, Abschluss und Fehler getrennt aus, sodass sich Wrapper-Probleme von Kreativproblemen unterscheiden lassen.
Fazit
Video liefert hohe Aufmerksamkeit, verzeiht technische Nachlässigkeit aber deutlich weniger als Display. Wer Formate, Wrapper-Tiefe und Fehlerquoten überwacht, erkennt Probleme, bevor das Budget verbraucht ist.
